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Inklusion kostenneutral umsetzbar - neue Studie von Prof. Dr. Klaus Klemm berechnet aber hohe Kosten für Sonderpädagogen
Die Süddeutsche veröffentlichte unter der Überschrift "Eine Schule für alle kostet Milliarden" einen Bericht über eine "neue Studie zu den Kosten einer inklusiven Schule"

Wenn man in die in der Süddeutschen vorgestellte Studie der Bertels- mann-Stiftung aber etwas genauer hineinschaut, wird schnell klar, wie die Autoren auf die horrenden Zahlen kommen. Sie rechnen für jedes Kind mit besonderem Förderbedarf mindestens 5 Stunden des mobilen sonderpä- dagogischen Dienstes pro Woche und berechnen daraus die zusätzlich notwendigen Lehrerstunden. Auch werden keinerlei Einspareffekte einge- rechnet, weil die Autoren der Studie davon ausgehen, was zumindest für das Flächenland Bayern nicht zutrifft, dass es z.B. bei der Schülerbeför- derung keine Kostenersparnis gibt. Auch bei einem Wechsel der behinderten Kinder von einer Heilpädagogischen Tagesstätte in die Nachmittagsbetreu- ung einer Regelschule gibt es große Einsparpotentiale, die die Studie unberücksichtigt lässt.

Die Studie sagt außerdem: Wenn in einer anderen Variante nur 2,6 bis 3,6 Unterrichtsstunden pro Woche pro Kind Sonderpädagogen an der Regelschule eingesetzt werden, gibt es k e i n e r l e i Mehrkosten!

Es ist deswegen eindeutig tendenziös, wenn die Studie auf die Information verkürzt wird, die Inklusion kostet Milliarden. Dabei können wir bei einzelninte- grierten Kinder in Bayern schon von 2,6 bis 3,6 Sonderpädagogenstunden bzw. entsprechend umgerechnet min.doppelt soviele Heilerzieherstunden pro Woche pro Kind derzeit nur träumen: Ein einzelintegriertes behindertes Kind erhält in Bayern derzeit weniger als 1 Sonderpädagogenstunde pro Woche. Das bayerische Kultusministerium hält mehr zusätzliches Personal für Regel- schulklassen mit nur einem oder zwei behinderten Kindern für nicht notwendig.
Film über inklusives Klassenleben
kommt in die Kinos,
Kooperationsmöglichkeiten für Initiativen

Fachtagung zum bayerischen Aktionsplan
Vom Entwurf zum Aktionsplan
Demo mit 3000 Menschen in Frankfurt

Von links nach rechts Erich Weigl vom bayerischen Kultusministerium, Hilmar Mainberger vom bayerischen Sozialministerium, Prof. Merz-Atalik, Sascha Schneider, Veranstalter und Moderator vom Verein Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen, Margit Wild von der interfraktionellen Arbeitsgruppe im Landtag.

Bayerisches Kultusministerium beim Inklusionssymposium:
"Die Sonderpädagogik steht auf dem Prüfstand!"

Unter dem Slogan "Inklusion ist Menschenrecht" fand am 21.April das zweite bayerische Inklusions-Symposium in Regensburg statt. Deutschland hat europaweit die zweithöchste Separationsquote bei Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Dreiviertel aller Abgänger von deutschen Förderschulen erreichen keinen Hauptschulabschluss. Prof.Merz-Atalik von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg stellte daher in ihrem Einführungsvortrag vor den 200 Teilnehmern des Symposiums fest: "Förderschulen fördern nicht das Lernen. Zeigen Sie mir eine Studie, die belegt, dass Kinder in der Förderschule effektiver lernen als an der Regelschule!"

Erich Weigl, Ministerialrat des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, sagte dazu in der anschließenden Podiumsdiskussion: "Das tut weh. Die Sonderpädagogik steht auf dem Prüfstand." Auch musste er zugeben, dass es bei der Umsetzung des geänderten BayEUG in den einzelnen Bereichen noch hapert. Größte Barriere für die inklusive Schulentwicklung ist nach den Worten von Prof.Merz-Atalik die Bindung der Ressourcen an die Förderschule. Man müsse aufpassen, dass beim Schließen der Förderschulen die Ressourcen nicht dem Bildungsetat verloren gingen, wie das jetzt bei einer Förderschule in Baden Württemberg passiert ist, die geschlossen wurde. Prof.Merz-Atalik arbeitet auch in einem Expertengremium mit, das im Auftrag der EU-Kommission neue Leitlinien für eine inklusionsorientierte Lehrerbildung in Europa erarbeitet hat. Das grundständige Lehrerstudium sollte zukünftig nach ihren Worten für alle gleich sein und allen Lehrern Kompetenzen im Umgang mit Schülern vermitteln, die Lern-, Verhaltens- und Sprachschwierigkeiten haben. Inklusion bedeutet Begrüßung der Vielfalt.
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Sibylle Hausmanns von Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen erläuterte im zweiten Hauptvortrag, dass in der Regelschule angemessene Vorkehrungen für die behinderten Kinder bereitgestellt werden müssen, da diese Teil des Diskriminierungsschutzes sind und die UN-Konvention hier eine unmittelbare Wirkung habe, also dafür keine Gesetze erst geändert werden müssten. Das Diskriminierungsverbot umfasst alles, was dazu führt, dass Menschen einzeln oder als Gruppe ausgeschlossen bleiben, dabei müsse kein Vorsatz vorliegen. Ihr weiterer Vortrag hier

Der Leiter der Abteilung für Eingliederungshilfe im Sozialministerium, Mainberger betonte die intensive Zusammenarbeit zwischen seiner Behörde und dem Kultusministerium. Zum Instrument des Schulbegleiters erläuterte er, dass dieser v.a.pflegerische Aufgaben habe, aber nicht pädagogisch arbeiten könne. Christine Primbs vom Netzwerk Inklusion stellte dazu in der Podiumsdiskussion unter dem Beifall der Zuhörer fest, dass es nicht möglich sei, mit Kindern anders als pädagogisch zu arbeiten. Bayern sei ein Flächenland und es sei nicht hinnehmbar, dass den Schulen die nötigen Personalressourcen vorenthalten werden, weil diese am Anfang nur einzelne behinderte Kinder integrieren. Die Einzelintegration werde derzeit als Sparmaßnahme missbraucht. Günther Schedel-Gschwendtner, ebenfalls vom Netzwerk Inklusion Bayern forderte die Öffnung der allgemeinen Schule für Heilpädagogen und Erzieher. Dies würde auch den bisherigen Mitarbeitern in den Förder-schulen, die dort viel Erfahrung mit behinderten Kindern gesammelt haben, in der Inklusion eine neue berufliche Perspektive eröffnen.

Sascha Schneider von der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen wies die Teilnehmer auf die in diesem Zusammenhang stattfindende Unterschriften-aktion hin, das Formular finden Sie hier. Die unterschriebenen Zettel bitte bis 20.Mai zurückschicken an: Netzwerk Inklusion Bayern, C.Primbs, Harbachweg 6, 97239 Aub.

Diskussion mit dem Vorsitzenden der interfraktionellen Arbeitsgruppe und dem wissenschaftlichen Beirat auf der Inklusionsforschertagung

Etwa 150 pädagogische Wissenschaftler aus ganz Deutschland trafen sich zur diesjährigen Inklusionsforschertagung Anfang März in Wartaweill am Ammersee in Bayern.  In verschiedenen wissenschaftlichen Vorträgen und zahlreichen Arbeitsgruppen wurden aktuelle Fragen der Inklusionsentwicklung vorgestellt und diskutiert. Zur abschließenden Podiumsdiskussion zur Umsetzung der UN-Konvention im Bildungsbereich in verschiedenen Bundesländern vertrat Georg Eisenreich, bildungspolitischer Sprecher der CSU und Vorsitzender der interfraktionellen Arbeitsgruppe und Prof. Ulrich Heimlich, LMU München den Freistaat Bayern, Prof. Kerstin Merz-Atalik, Mitglied in der Expertenkommission für die Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung das Bundesland Baden-Württemberg und Prof. Dr. Roland Merten, Staatssekretär im Bildungsministerium das Bundesland Thüringen. Gesellschaftlich sind wir seiner Meinung nach meilenweit davon entfernt, dass wir Heterogenität als Bereicherung und Chance verstehen. Zur Frage nach der Zukunft der Förderschulen meinte Prof. Merten, dass die Schulstrukurfrage wichtig sei, denn wenn man heute in irgendeinem Gebäude eine Sonderschule einrichte, würde morgen die Quote von Kinder mit dem jeweiligen Förderschwerpunkt in dem Einzugsgebiet dieser Sonderschule signifikant ansteigen. Prof. Merz-Atalik monierte, dass 30 Jahre Forschung zur Inklusion in Deutschland nicht realisiert wird und fragte MdL Eisenreich und Prof. Heimlich, die davon gesprochen hatten, dass man darauf achten müsse, dass durch die Inklusion nicht die Förderqualität verloren gehe: "Womit belegen Sie eigentlich die Förderqualität an Sonderschulen?" Die Förderschulen in Deutschland sind beim Pisatest nicht einbezogen worden. Prof. Heimlich bestätigt ebenfalls, dass laut der gesamten internationalen Forschung inklusive Schulen in der Qualität besser als Förderschulen sind. Leider gebe es aber in Bayern keine wissenschaftliche Begleitforschung. MdL Eisenreich betonte, dass es beim Thema Inklusion nichts bringe, alle Verbände gegen sich aufzubringen, man müsse Inklusion im Konsens umsetzen. Christine Primbs kritisierte die bayerische Politik als unverantwortlich. Vor kurzem habe sich in Nürnberg das Netzwerk Inklusion Bayern gegründet, bei der Versammlung haben dutzende Eltern von untragbaren Umständen bei der Einschulung ihrer Kinder in die Regelschule berichtet trotz Gesetzesänderung in Bayern. Es gibt in Bayern nach wie vor kein Konzept für die Bereitsstellung der angemessenen Vorkehrungen. Der Streit zwischen Kommunen, Bezirk, Jugendamt und Kultusministerium werde auf dem Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen. Für die einzelintegrierten Kinder werde finanziell nur etwa die Hälfte dessen eingesetzt, was eingesetzt würde, wenn das gleiche Kind in die Förderschule gehen würde. Die Schulbegleiter dürften nicht gruppenorientiert arbeiten, was zur Stigmatisierung der Kinder führt. Der MSD wird völlig ineffektiv eingesetzt. Niemand stört sich daran, wenn ein Lehrer das behinderte Kinder mit dem Schulbegleiter stundenlang vor die Klassenzimmertüre setzt, es scheint auch niemand etwa dabei zu finden, wenn die Kinder mittags aus der inklusiven Schule geholt werden und nachmittags zu völlig anderen Kindern in heilpädagogische Tagesstätte gefahren werden, Hauptsache die Kasse der Wohlfahrtsverbände stimmt. MSD und staatliche Stellen würden außerdem weiterhin mehr oder weniger subtil den Eltern zur Aussonderung ihres Kindes raten. Prof. Heimlich verwies auf die ebenfalls anwesende bayerische Behindertenbeauftragte, mit der man derzeit an einer Weiterentwicklung des Schulbegleiterinstruments arbeite und lud nach der Diskussion das Netzwerk Inklusion Bayern zu einer Sitzung des wissenschaftlichen Beirats ein.Von Moderatorin Alina Fuchs nach den Visionen befragt, wo wir in 10 Jahren stehen sollten, äußerte MdL Eisenreich die Erwartung, dass man in 10 Jahren keine Überzeugungsarbeit mehr leisten müsse, Prof. Heimlich hofft auf eine Inklusionsquote von über 50% in Bayern,  Prof. Merten von einer Angleichung der Inklusionsquote in Thüringen an den OECD-Durchschnitt. Den gesamten Bericht lesen Sie hier.

Netzwerk Inklusion Bayern gegründet

Ende Januar trafen sich etwa 40 Eltern aus ganz Bayern, deren behinderte Kinder in Regelschulen integriert sind, zu einem landesweiten Elterntreffen und gründeten das Netzwerk "Inklusion Bayern". Um politisch etwas erreichen zu können, sei es zentral wichtig, dass die Eltern mit einer Stimme sprechen, wurde von vielen Teilnehmern betont.
Deswegen sei ein verbandsübergreifendes Netzwerk notwendig, das bayernweit die Eltern, die in verschiedenen Organisationen aktiv sind, ob beim bayerischen Elternverband, bei Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen, beim Bündnis Inklusive Schule und anderen örtlichen Vereinen und Initiativen, zusammenführt.
Mit großer Mehrheit entschieden sich die Eltern für den Vorschlag von Hans Wocken, dem Netzwerk den zukunftsweisenden Namen "Inklusion Bayern" zu geben, da die Inklusion nicht am Ende der Schulzeit aufhören dürfe, auch wenn man erst noch daran arbeiten müsse, sich auch in allen anderen Bereichen kompetent zu machen und die entsprechenden Vernetzungen zu schaffen.

Aktueller Fall: Eine bayerische Schule diskriminiert behinderte Kinder:
Wir wenden uns mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen und an Kultusminister Dr.Spaenle

Bayern ändert sein Kindertagesstättengesetz BayKiBiG;
Zwar wird erstmals die UN-Konvention im Gesetz aufgenommen, aber eine Chance für eine wirkliche Neu-ausrichtung wird vertan: Die bayerischen Kindergärten können mangels Ressourcen ihrem Bildungsauftrag nicht gerecht werden:
- unsere aktuelle Stellungnahme an die Staatsregierung und den Landtag
- die Gesetzesänderungen
- die Begründung für die Gesetzesänderung

Antwort vom Sozialministerium auf unseren Brief

Netzwerk fordert sofortige Maßnahmen
Wir haben uns vor kurzem mit einem Brief an die bayerische Staatsregierung gewandt, um sofortige Maßnahmen zu fordern, damit die Eltern das Recht ihrer Kinder, in die Regelschule zu gehen, auch einlösen können.

Wegweiser
des Bayerischen Elternverbands für behinderte Kinder in die Regelschule

Neues Gerichtsurteil:
Jugendamt muss mehr zahlen
Ist Inklusion zu teuer?
Ist Inklusion wirklich so teuer, dass wir sie uns nicht leisten können?

Levelsystem statt Noten gefordert
Die als "Grundschulrebellin" bekannte bayerische Grundschullehrerin Sabine Czerny engagiert sich in Zusammenarbeit mit Hirnforschern und Wirtschaftsvertretern für ein Änderung der Leistungsbeurteilung in der Schule und einem Ersatz des bisherigen Notensystems durch ein internationales Levelsystem, was ein Ziel inklusiver Schulentwicklung sein sollte, hier ihr 12-seitiges Konzept.
Für jedes Kind
mit Sonderpädagogischen Förderbedarf einen Schulbegleiter?

Erfolgsbeispiel Integra-Mensch Bamberg:
100 behinderte Menschen wurden in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt

CDU Nordrhein-Westfalen
CDU Nordrhein-Westfalen fordert die Auflösung der Förderschulen Lernen und Sprache und eine Bindung der Ressourcen an die Kinder statt an die Einrichtungen

Studie über den Stand der Inklusion in Bayern
von Prof.Schöler, Prof.Merz-Atalik und Dr. Carmen Dorrance

Diskussionsbeiträge von
Hans Wocken über die Entkernung der Behindertenrechtskonvention

Streit um Finanzierung der Inklusion in Bayerns Schulen

Die Lebenshilfe Österreichfordert eine Auflösung der Sonderschulen
Zeitplan der Lebenshilfe Österreich für die Auflösung des Sonderschulsystems

Bayerischer Elterverband lehnt Doppelsystem Inklusion-Förderschule ab
Lauf - Zum Beschluss des bayerischen Ministerrats über den interfraktionellen Gesetzentwurf zur inklusiven Bildung sagte die stellvertretende BEV-Landesvorsitzende Henrike Paede, die gleichzeitig das Sachgebiet Förderschule leitet: "Das Beste am Entwurf ist die Tatsache, dass sich alle Landtagsfraktionen gemeinsam mit dem Thema befasst haben. Inhaltlich ist es in vielen Politikerköpfen allerdings noch weit bis zur Inklusion." Man dürfe Inklusion nicht als besonders großzügig betriebene Integration verstehen, also als eine "Zurückführung der Kinder mit Behinderung in die Regelschule", wie es im Gesetzentwurf heiße. "Inklusion bedeutet: Alle Kinder lernen von Anfang an zusammen", sagt Paede, "keines braucht nachträglich wieder integriert zu werden."

Auf lange Sicht könne man deshalb die Förderschule nicht als Lernort erhalten. "Das widerspricht dem inklusiven Gedanken und ist zudem schlicht nicht finanzierbar." Kein Land, auch nicht das reiche Bayern, könne es sich leisten, zwei Schulsysteme nebeneinander zu finanzieren: ein inklusives für alle Kinder und ein besonderes für diejenigen, die dennoch nicht wirklich dazugehörten.

Stellungnahme des BEV zum BayEUG